
आङि्गकं भुवनं यस्य वािचकं सर्ववाङ्मयमं ।
आहार्यं चन्द्रतारािद तं वन्दे सात्त्विकं शिवम् ।।
āngikam bhuvanam yasya vāִcikam swara vāṅmayam |
āhāryam candra tārādi tam vandē sāttvikam Śivam ||
≈
Vor Ihm, dessen Körper die Welt ist,
dessen Sprache alle Zungen der Welt umfasst,
dessen Schmuck der Mond und die Sterne sind,
vor Dir Shiva, der allen emotionalen Ausdruck verkörpert, verneige ich mich.
In diesem Eingangsfers des Abhinaya Darpanana wird der Gott Shiva in seiner Form als König des Tanzes, als Nataraja, angerufen. Diese Darstellung spielt auf die vier Formen des Abhinaya, also die Aspekte des Ausdrucks an, die später im Text noch erläutert werden:
Nandikesava fährt nach dieser Anrufung mit seinem abhinaya darpana fort, indem er erzählt wie er vom Gott Indra selbst den Auftrag erhielt, eine Zusammenfassung des (Wissens-)Ozeans des Weisen Bharata zu verfassen. Indra wollte so die Grundlagen der Bühnenkunst für einen Wettbewerb schnell erlernen.
Nachdem die Entstehung des AD also geklärt ist, erzählt Nadikesava vom göttlichen Ursprung der Tanzkunst:
Vor langer Zeit wurden dem Weisen Bharata die Regeln der dramatischen Kunst vom Gott Brahma und der Tanz, der kraftvolle und der sanfte, vom göttlichen Paar Shiva/Parvati anvertraut. Diese Kunst gab er über seine Schüler weiter an die Menschen.
Brahma selbst, heißt es weiter, habe das Natya Shastra aus Elementen der klassischen vier Veden komponiert, weshalb dieses jedem der es befolgt zu einem guten Leben verhelfen kann.
Die Kategorien der dramatischen Darstellung im Tanz: natya - nrtta - nrtya
Folgende Definitionen dieser drei zentralen Termini werden im AD gegeben:
Zwei Arten von Tanz: lasya-tandava
Diese drei verscheiden Formen von Tanz- natya, nrtta und nrtya - können wiederum von zweierlei Art sein, nämlich
Nach diesen wichtigen Definitionen fährt Nandikeshava fort, indem er alle äußeren Umstände einer Aufführung beschreibt. Er beginnt mit angemessenen Anlässen die da wären Krönung, Fest, Pilgerfahrt, Hochzeit, das Treffen von Freunden, Ankunft von Gästen und Geburt eines Sohnes, auf jeden Fall sollten aber (Tanz-) Aufführungen ständig an Königshöfen organisiert werden. Er fährt fort mit einer Beschreibung der wunderbaren Eigenschaften des Theaters und zählt dann auf, welche Qualitäten die einzelnen Mitglieder und Elemente des Ensembles besitzen oder auch auch lieber nicht besitzen sollten.
abhinaya: Darstellung durch alle Möglichkeiten des Ausdrucks
yatō hasta statō dṛshṭih
yatō dṛshṭi statō manah |yatō mana statō bhāvō
yatō bhāva statōrasah ||≈
Wo immer die Hand hingeht soll der Blick folgen.
Wo immer der Blick ist soll die Aufmerksamkeit sein.
Wo immer der wache Geist sich hinwendet, nimmt er eine Haltung an.
Wenn der Geist eine Haltung annimmt entsteht (wahrnehmbares) Gefühl.
Mit dieser wichtigen Regel wird der Übergang zu den eigentlichen Tanztechniken eingeleitet. Dann erklärt Nandikeshava, das dem Ausdruck, genannt 'Abhinaya', eine übergeordnete Rolle zukommt. Er sagt, es gibt vier Arten von Ausdruck:
abhinaya bhedas: Die Formen des Ausdrucks
angika abhinaya: Ausdruck durch den Körper
Nun widmet sich Nandikesava der Erläuterung der für den Tänzer wichtigsten Form des Abhinaya: dem Ausdruck durch den Körper also angika abhinaya. Zu diesem Zweck unterteilt er den Körper in Einzelne Einheiten, die drei verschiedenen Kategorien angehören können: den Haupteinheiten = anga, den Untereinheiten = pratyanga und den ergänzenden Einheiten = upanga
anga sind für ihn:
pratyanga sind für ihn:
zu den upanga des Gesichts zählt er:
davon abgesehen kennt Nandikesava upanga folgende des Körpers:
bheda - die im abhinaya darpana erläuterten Techniken
Nach dieser beeindruckenden Auflistung werden im AD allerdings nur die Techniken von wenigen dieser aufgezählten Körperteile erläutert. Das erklärt Nadikeshava, indem er sagt die Bewegungen der pratyanga und der upanga würden von durch die anga verursacht. Die Bewegungen, die er diskutieren möchte sind:
An dieser Stelle kündigt er zwar nicht an auch auf die Techniken der Füße einzugehen, wird aber dann auch verschiedene Arten von 'pada bheda' erläutern.
Den pada und den hasta bheda wird nun tatsächlich der größte Raum eingeräumt. Nach der Beschreibung von 9 Kopfbewegungen, 8 Augenbewegungen, 9 Halsbewegungen und der Erläuterung von deren Anwendungen werden die Bewegungen der Hände und Füße noch einmal in Unterkategorien eingeteilt:
hasta - Hände:
Nach 12 hasta prana, wörtlich: 'Leben der Hände' = Handbewegungen werden unter der Überschrift 'hasta bheda'
und folgende spezifische Haltungen und Bewegungen beschrieben:
Diese Kategorien sieht der Autor nicht als 'Hasta Bheda' also als Handgesten, sondern als Abhinaya-Techniken.
pada- Füsse:
Auch die die Pada Behda werden in unterschiedliche Kategorien von Haltungen und Bewegungen unterteilt.
Vier dieser Kategorien werden angekündigt: